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People-First Public-Private Partnerships (PPPs)

Definition

People-First PPPs sind ein von der unece entwickelter Ansatz, der den Menschen — nicht den Profit — in den Mittelpunkt von Public-Private Partnerships stellt. Das Konzept definiert, dass aus allen Stakeholdern die Bevölkerung die oberste Priorität und Hauptbegünstigte sein muss.

Ursprünglich eingeführt von der unece im Jahr 2016, formalisiert in den guiding-principles-people-first-ppps (2019).

Hintergrund

Herkömmliche PPPs wurden meist für zwei Zwecke eingesetzt: 1. Erste Generation (vor 2000): Bilanz-Optimierung — Assets "off balance sheet" bringen 2. Zweite Generation (2000-2015): Value-for-Money — bessere Dienste zu geringeren Kosten als öffentliche Beschaffung 3. Dritte Generation (ab 2015): People-First — ethische Infrastruktur-Investitionen mit breiterer Stakeholder-Beteiligung

Die dritte Generation entstand aus der Erkenntnis, dass PPPs selten für soziale und wirtschaftliche Transformation oder Armutsbekämpfung genutzt wurden und meist auf entwickelte Länder beschränkt blieben.

Leitprinzipien

People-First PPPs müssen folgende sechs Kriterien erfüllen:

1. Zugänglichkeit (Accessibility)

  • Erhöhung des Zugangs zu essentiellen Diensten, besonders für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Gruppen
  • Engagement mit Sozialpolitik als integraler Teil der Infrastrukturreform

2. Gerechtigkeit (Equity)

  • Niemanden zurücklassen, soziale Gerechtigkeit fördern
  • Essentielle Dienste für alle zugänglich machen, ohne Einschränkungen jeglicher Art
  • Geschlechtergleichheit fördern

3. Effizienz (Efficiency)

  • Mehr mit weniger erreichen
  • Produktivität bestehender Assets verbessern
  • Einsparungen für armutsbekämpfende Projekte schaffen

4. Effektivität (Effectiveness)

  • Projekte funktionieren und liefern Ergebnisse
  • Praktische Umsetzung und Messbarkeit

5. Nachhaltigkeit (Sustainability)

  • CO₂-Emissionen senken
  • Grünes Wachstum fördern
  • Umweltverantwortung übernehmen

6. Replizierbarkeit (Replicability)

  • Skalierbar für transformative Wirkung gemäß der 2030-Agenda
  • Übertragbarkeit auf andere Regionen und Kontexte

Bezug zu UN SDGs

People-First PPPs sind explizit auf die sustainable-development-goals-sdgs ausgerichtet. Der Infrastruktur-Finanzierungsbedarf wird auf 1-4 Billionen USD jährlich geschätzt.

Praktische Beispiele nach SDG: - SDG 3 (Gesundheit): Hämodialyse-Zentrum Bangladesch, Onkologie-Zentren Ukraine/Belarus - SDG 6 (Wasser): Wassersektor Armenien, Jinan Sponge City China - SDG 7 (Energie): Luz para Todos Brasilien, Pamir Power Tadschikistan - SDG 8 (Wirtschaft): Invest in Africa Ghana - SDG 9 (Infrastruktur): E18 Road Finnland, DND Flyway Indien

Implementierungsmechanismen

Internationale Standards

Die unece arbeitet an internationalen Standards für People-First PPPs: - Musterbasierend (mindestens 20 Fälle, gut und schlecht) - Sektorspezifisch: Energie, Wasser, Gesundheit, Bildung, Verkehr - Finanzierungsmodelle und Vertragsklauseln - Besondere Berücksichtigung mittlerer und niedriger Einkommensländer

Rechtliche Grundlagen

  • unece-ebrd-model-law — Modellgesetz für PPP-Gesetzgebung
  • Unterstützung durch vier UN-Regionalprovisionen: unece, ECA, ESCWA, ECLAC
  • Technische Hilfe für Länder beim Aufbau eigener PPP-Systeme

Finanzierung

Herausforderung: Finanzierungslücke von 1-4 Billionen USD jährlich für öffentliche Infrastruktur.

Ansätze: 1. Klare Kriterien für Impact Social Investment im Einklang mit People-First PPPs 2. Mobilisierung von Finanziers und Investmentfonds als Katalysatoren 3. Projekte "bankfähig" machen durch Standardisierung 4. Multilaterale Entwicklungsbanken als Partner

Wichtige Organisationen

  • unece — Treibende Kraft, Team of Specialists on PPPs
  • ebrd — Rechtliche Beratung, Model Law
  • PPP Group — UNECE-Interinstitutionelle Gruppe
  • Technische Lenkungsausschüsse mit Vertretern aus Regierung, Privatsektor und Zivilgesellschaft

Siehe auch